Deutsches Kunsthandwerk verfällt
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Redaktion 22.02.2011 |
Die Szene des Kunsthandwerks in Deutschland wird immer mehr von Händlern bevölkert. Auf unzähligen so genannten Kunsthandwerker-Märkten, die an fast allen Wochenenden bundesweit stattfinden, kämpfen die wenigen selber herstellenden Kunsthandwerker gegen eine schier aussichtslose Überzahl von Händlern, die mit ihren preiswerten, meist im Ausland erworbenen Waren die Preise nach unten drücken.
Verständlich einerseits, da die meisten Veranstalter selber Unternehmer sind, die von den Standgeldern der Aussteller und eventuellen Eintrittspreisen der Besucher leben müssen. Auch logisch, dass es einfacher ist, einen Markt mittels Handelswaren zu gestalten und vereinzelte Kunsthandwerker dazwischen erlesene Vorführungen machen zu lassen, um dem Kunden damit das Trugbild des blühenden Handwerks zu bieten. Dass dafür der Kunsthandwerker oftmals noch die gleichen Standgebühren wie ein Händler zu entrichten hat, ist eine unglaubliche Frechheit, wenn man darüber nachdenkt. Dass die Veranstalter sich auf Dauer damit selbst am meisten schaden, wird nur von wenigen Leuten erkannt.
So ist der Ruf des deutschen Kunsthandwerks durch die Akzeptanz von Handelswaren auf Kunsthandwerkermärkten schon stark geschädigt worden. Interessanteste Vorführungen und seltene Arbeitstechniken werden durch die eigentlichen Kunsthandwerker geboten – gekauft wird vielmals die preiswertere Massenware vom Nebenstand. Der Kunde ist zufrieden mit dem Markt – er hat erlebt, dazu gelernt und dabei noch preiswert eingekauft. Unterschwellig baut sich so aber eine Blockade gegen die produzierenden Kunsthandwerker auf – man muss den Eindruck haben, dass die Produkte überteuert und unerschwinglich sind.
In Wirklichkeit ist es gar nicht möglich, ein handgefertigtes Unikat oder einen Artikel aus einer selbst entworfenen kleinen Serie preislich mit anderen Produkten aus Massenproduktionen oder dem Ausland bezogenen Waren zu vergleichen. Viele der vorführenden Kunsthandwerker betreiben ihre seltenes Kunsthandwerk nur noch nebenberuflich und müssen die Preise aufgrund des Druckes durch die umstehenden Händler so gestalten, dass am Ende nicht viel übrig bleibt als verlorene Zeit.
Vergleicht man dagegen den auf die aufgewendeten Stunden gerechneten Gewinn von vielen professionell arbeitenden Kunsthandwerkern mit anderen klassischen Handwerksberufen, so wird schnell klar, dass man sich am unteren Ende dieser Auflistung befindet. Der einzige Verlierer dieser langsam aber unaufhaltsam mahlenden Mühlen ist am Ende der ehrliche Kunsthandwerker, der es nicht schafft, sich deutlich von den fahrenden Händlern abzugrenzen, die während manchen Markttagen oft nächtelang in Ihren Fahrzeugen hausen, um die Preise weiterhin auf niedrigstem Niveau halten zu können und konkurrenzfähig zu bleiben.
So ist zu hoffen, dass die Kurzsichtigkeit vieler Veranstalter dem Kunsthandwerk in Deutschland nicht noch mehr schadet. Jeder aufrichtige Kunsthandwerker sollte sich verpflichtet fühlen, bei seinen Marktauftritten gegenüber dem Kunden aktive Aufklärungsarbeit diesbezüglich zu leisten und in Zukunft mit denjenigen Organisatoren zusammenzuarbeiten, die sich gegenüber dem Kunsthandwerkmarkt verpflichtet fühlen.
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