Magie jenseits der Gosse
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Redaktion 01.03.2011 |
Die Magie genießt in der Gegenwart wenig mehr als den Ruf einer Disziplin der Gosse oder einer Schmuddelecke für orientierungslose Teenager. Die moderne Wissenschaft rümpft eh die Nase über die "Metaphysik der dummen Kerle" (Th. Adorno) und verlautbart jedes Mal, wenn sie für ein "unerklärliches Phänomen" eine Erklärung findet, die Magie "entzaubert" zu haben. Dabei hat sich die Magie immer selbst als eine Wissenschaft verstanden - und letztlich eine ganze Reihe wissenschaftlicher Disziplinen erst hervor gebracht, wie etwa die Chemie, die Psychoanalyse und nicht zuletzt die Theologie. Noch in der Renaissance galt die Magie als eine verbreitete Form der Naturphilosophie, also einer umfassenden Naturwissenschaft, die die materiellen und geistigen Erscheinungsformen des Leben erforschte.
Wissenschaft, Kunst und Kultur des Abendlandes verdanken der Magie als Naturphilosophie eine Menge an Impulsen und Einflüssen. Angefangen bei den Vorsokratikern über gnostisch-plotinische Einflüsse bis hin zur Renaissance, der Geburtsära der Neuzeit und des modernen Menschenbildes als einem Individuum, das zur Selbst-Bildung fähig ist. Ein gutes Beispiel für diesen Einfluss der Magie auf das moderne Weltbild ist ihr Einfluss auf Francis Bacon, der mit den neuplatonischen und rosenkreuzerischen Idee der späten Renaissance gut vertraut war und nicht weniger vollbracht hat, als die Kriterien einer experimentellen Wissenschaft (in "Instauratio Magna", 162) zu formulieren, denen sich schließlich Pioniere der Aufklärung wie Isaac Newton, John Locke und David Hume verpflichtet fühlten.
Andere große "magische" Denker mit bedeutendem Einfluss auf die Geistesgeschichte sind so hervorragende Persönlichkeiten des Humanismus wie Raimundus Lullus (1232 - ca.1316 n. Chr.), Pico della Mirandola (1463 - 1494 n. Chr.), Francesco Giorgi (1466 - 1540 n. Chr.) oder der deutsche Humanist Johannes Reuchlin (1455 - 1522 n. Chr.). Allesamt angesehene Denker und Humanisten, die viele Philosophen und Künstler ihrer Zeit und danach beeinflusten, wie z.B. Erasmus von Rotterdam, Thomas Morus, Albrecht Dürer, Edmund Spenser. Die Tatsache, dass in den Medien und in der Wirklichkeit Magie zum Synonym geworden ist für eine verdunkelte Spielecke der Esoterik sollte deshalb nicht darüber hinweg täuschen, dass sie auch im 20. Jahrhundert noch immer kreative und befreiende Impulse in einigen Menschen auszulösen vermag.
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