Schufa Bonität Score Verfahren

Redaktion
30.03.2011
Schufa Bonität Score Verfahren

Das Score Verfahren der Schufa ist aufgrund der standartisierten Berechnung der Kreditwürdigkeit nicht ohne Probleme. Reale Fälle belegen die Unzulänglichkeit des sogenannten Scoreverfahrens, mit dessen Hilfe die Schufa die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern bewertet. Seit der Einführung im Jahr 1997 ist diese Methode höchst umstritten. Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, gibt bereits seit 75 Jahren Auskünfte an Banken und Firmen, die die Bonität von Kunden überprüfen wollen. Dazu speichert sie Finanzdaten von Verbrauchern.

Neben Angaben über vergebene Kredite, Kreditkarten und Girokonten werden vor allem negative Informationen wie gekündigte Kredite oder geplatzte Schecks erfasst. Wichtige Kriterien wie die Höhe des Einkommens und des Vermögens des Kunden werden hingegen nicht ermittelt. Dies möchte die Schufa in Zukunft ändern. Jedermann steht es nun frei, seine Einkommensdaten und Vermögensdaten der Schufa zu melden. Viele Millionen Anfragen erreichen die Schufa im Jahr. Auskunft wollen nahezu alle Wirtschaftszweige: Banken bei der Kreditvergabe, Internethändler beim Kauf auf Rechnung oder Stromversorger bei Neukunden. Für viele Unternehmen ist allein die Schufainformation entscheidend bei der Bonitätsbewertung. Banken hingegen nutzen die Anfrage meist nur als Zusatzinformation.

Der Kunde unterschreibt in der Regel bei Vertragsabschluss die „Schufa-Klausel". Damit erlaubt er dem jeweiligen Vertragspartner, im größeren Umfang Informationen über ihn bei der Schufa einzuholen und gleichzeitig Daten an die Schufa weiterzugeben. Aber oft erfährt der Kunde auch nichts von der Nachfrage bei der Schufa. Denn Versandhäuser und Handel fragen zum Beispiel nur wenige gespeicherte Daten ab, die datenschutzrechtlich nicht geschützt sind. Den Großteil ihrer Daten sammelt die Schufa nämlich nach dem Prinzip: Wer Informationen abfragt, muss auch welche geben.

Fordert etwa eine Bank bei der Eröffnung eines Girokontos die Schufa-Auskunft an, muss sie im Gegenzug künftig alle relevanten Daten des Kunden an die Schufa melden. Deswegen wollen viele Firmen nur über Negativdaten informiert werden und auch nur diese zurückmelden. Müssten sie sämtliche Informationen weitergeben, etwa jede Bestellung auf Rechnung, wäre der Verwaltungsaufwand kaum zu bewältigen. Andere Verbraucherdaten wie Geburtsdatum und Anschrift holt sich die Schufa aus öffentlichen Verzeichnissen, amtlichen Bekanntmachungen und Gerichten, bzw. Insolvenzabteilungen.

Dort erfährt sie beispielsweise, ob die betreffende Person eine eidesstattliche Versicherungen (früher: Offenbarungseid) abgegeben hat. Die Datenschützer sind mit der Transparenz des Schufaverfahrens grundsätzlich zufrieden, nur in Einzelfällen kommt es vor, dass falsche oder veraltete Informationen gespeichert sind. Für das Score-Verfahren sind die Datenschützer übrigens nicht zu begeistern. Es gilt als undurchsichtig, unzulänglich und potenziell verfälschend. Für jeden Verbraucher wird aus seinen bei der Schufa gespeicherten positiven Daten eine Punktzahl zwischen Null und 1000 berechnet (Score). Der Wert soll bei der Beurteilung helfen, mit welcher Wahrscheinlichkeit die betreffende Person einen Kredit nicht zurückzahlen kann. Unternehmen sollen so in Verbindung mit der herkömmlichen Schufa-Auskunft schneller einschätzen können, wie kreditwürdig ein Kunde ist. Um den Score zu ermitteln, wird eine Vergleichsgruppe von Personen mit ähnlichen Schufa-Daten betrachtet und untersucht. Haben viele Personen aus dieser Gruppe in den vorausgegangenen Monaten ihre Kredite nicht zurückgezahlt, verschlechtert sich der Score-Wert – unabhängig von der tatsächlichen wirtschaftlichen Situation des Einzelnen.

Der Wurm steckt im Verfahren selbst: Daten über Einkommen, Vermögen oder Grundbesitz, die am ehesten etwas über die Bonität aussagen würden, hat die Schufa nämlich nicht. Deshalb zimmert sie einen Ersatz. Zwar errechnen auch Banken und Versicherungen interne Scores von Kunden, deren Ratings sind aber meistens fundierter. Die Banken haben Informationen über Einkommen und finanzielle Verpflichtungen des Kunden, das gehört in einen seriösen Score. Seit längerem verlangen Verbraucherschützer übrigens von der Schufa, das Scoringverfahren offenzulegen, so dass es für alle Betroffenen nachvollziehbar wird. Denn bisher weiss niemand genau, welche Angaben wie stark gewichtet werden.

Die Schufa ihrerseits befürchtet, dass andere Wettbewerber im Markt der Kreditauskünfte das Verfahren kopieren, sobald der hochkomplexe Algorithmus bekannt wird. Wahrend die Schufa schweigt, kursieren unter Verbraucherschützern Gerüchte, dass mehrere Girokonten, häufige Umzüge oder eine schlechte Wohngegend Negativmerkmale sind. Jeder vermutet etwas, keiner weiß etwas. Klar scheint nur, dass auch Verbraucher mit dickem Bankkonto plötzlich als Risikokunde dastehen können.

Die Schufa weist ihre Vertragspartner zwar darauf hin, dass der Score nur eine von mehreren Grundlagen für eine Kreditentscheidung sein kann. Die Praxis sieht jedoch häufig anders aus. So sollen Firmen Handy-Verträge auf Grund eines schlechten Scores verweigert haben. Verbraucher- und Datenschützer waren empört, als bekannt wurde, dass sich der Score-Wert einer Person sogar verschlechtert, wenn sie eine Eigenauskunft über ihre bei der Schufa gespeicherten Daten einholt. Die Schufa reagierte auf die Kritik und versprach, die Eigenauskunft aus der Berechnung herauszunehmen.

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