Diabetes mellitus (Honigsüßer Durchfluß)
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Sabine Schindler 28.07.2011 |
Als Diabetes mellitus wird eine Stoffwechselkrankheit bezeichnet, bei der es zu einem teilweisen oder kompletten Insulinmangel kommt. Insulin ist das Hormon, das dafür sorgt, dass der Zucker aus der Nahrung vom Blut in die Zellen aufgenommen werden kann. Er ist sozusagen, der Schlüssel, der an den Zellen der einzelnen Gewebe das Türchen öffnet um den Zucker aufzunehmen. Kann der Zucker aus dem Blut nicht in die Zellen aufgenommen werden, kommt es im Laufe der Zeit zu schwerwiegenden Schäden an Blutgefäßen, Nerven und Organen.
Unabhängig von der Nahrungsaufnahme führen auch Stresssituationen über bestimmte Stresshormone zu einer Erhöhung des Blutzuckers. Ein erstes Auftreten eines Diabetes mellitus zeigt sich häufig in einer solchen Stresssituation. Dazu gehören zum Beispiel Infektionen, Traumata, Operationen, ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt. In der Folge solcher Stresssituationen kann es jedoch auch nur zu einer kurzfristigen Veränderung des Blutzuckerspiegels kommen, oder ein Patient mit bereits bestehendem Diabetes mellitus benötigt kurzfristig eine höhere Insulindosis.
Diabetes mellitus Typen:
Beim Diabetes mellitus unterscheidet man zwei Typen. Typ I, der früher auch als „juveniler“ oder jugendlicher Diabetes bezeichnet wurde und Typ II, der früher auch als „Alterszucker“ bekannt war. Beide Typen entstehen aus unterschiedlichen Gründen.
Typ I Diabetes mellitus:
Der Typ I Diabetes mellitus entsteht, durch einen teilweisen, oder kompletten Untergang der Insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Diese Zerstörung wird durch die Bildung von Antikörpern (Abwehrzellen) gegen die körpereigenen Zellen hervorgerufen (medizinisch wird das als Autoimmunreaktion bezeichnet). Die Bildung dieser Antikörper kann zum einen genetisch bedingt sein. Zum anderen kann es aber auch nach der Infektion mit bestimmten Viren zu einer Bildung von Antikörper kommen, die dann die körpereigenen Zellen angreifen. Infolge einer genetischen Veranlagung (über 90 % der Erkrankten zeigen diese Veranlagung) kommt es bereits im Kindes und jungen Erwachsenenalter zu einem Ausbruch der Erkrankung. Dabei liegt das vorwiegende Erkrankungsalter zwischen 12 und 25 Jahren.
Aufgrund der oben beschriebenen Autoimmunreaktion nach einer Virusinfektion kann es in seltenen Fällen jedoch auch erst im Alter von 40 Jahren zum Ausbruch eines Typ I Diabetes mellitus kommen.
Bei einer Sonderform des Diabetes mellitus Typ I der sich LADA nennt „latent autoimmune diabetes (with onset) in adults“, bildet sich der Insulinmangel relativ langsam aus und es kommt erst im Alter zwischen 25 und 40 Jahren zu einer Manifestation des Typ I Diabetes mellitus.
Zur Diagnostik lassen sich die entsprechenden Antikörper im Blut nachweisen. Da es bei der Autoimmunreaktion zu einer schnellen Zerstörung der Zellen kommt, beginnt dieser Diabetes mellitus Typ sehr rasch. Aufgrund dessen sind Diabetes mellitus Typ I Patienten auch dringend auf die Gabe von Insulin angewiesen. Ihr Stoffwechsel kann nur geringe Schwankungen des Blutzuckerspiegels abfangen. Daher kann es bei Typ I Diabetes mellitus Patienten schnell zu sehr hohen oder sehr niedrigen Blutzuckerwerten kommen die für diese Patienten lebensgefährlich sind.
Typ II Diabetes mellitus:
Einer der Hauptfaktoren für Diabetes mellitus Typ II sind Überernährung und Adipositas (Fettleibigkeit). Durch die falsche und meist sehr kohlenhydratreiche Ernährung kommt es zu häufigen Zuckerspitzen im Blut und damit zu einem erhöhten Insulinspiegel, der nötig ist, um diese Zuckerspitzen (Hyperglykämien) abfangen zu können.
Diabetes mellitus Typ II beginnt zunächst mit einer Resistenz der Zellen gegen Insulin. Durch die ständig erhöhten hohen Blutzuckerwerte und damit auch erhöhten Insulinwerte kommt es schließlich zu einer Resistenz der Zellen gegenüber Insulin. Diese entsteht wenn sich ständig eine erhöhte Menge an Insulin im Blut befindet und die Zellen daraufhin die Rezeptoren (Türchen) für das Insulin verringern. Dies führt jedoch auch dazu, dass der Zucker im Blut weniger schnell abgebaut werden kann und der Körper zur Unterstützung noch mehr Insulin ausschüttet.
Der erhöhte Insulinspiegel führt aber auch zu einem erhöhten Hungergefühl was wiederum zu einer erhöhten Nahrungsaufnahme führt und damit zu weiterem Übergewicht. Die nun erhöhten Insulinspiegel führen jedoch auch dazu, dass die Rezeptoren (Türchen) an den Zellen weiter zurückgehen und es somit noch höheren Insulinspiegeln benötigt, um den Zucker aus dem Blut aufnehmen zu können. Somit befindet sich der Körper irgendwann in einem Teufelskreis. Dieser Kreislauf geht weiter, bis die Bauchspeicheldrüse irgendwann nicht mehr ausreichend Insulin produzieren kann, bzw. kein Insulin mehr produziert und die Patienten insulinpflichtig werden.
Da es sich um eine Insulinresistenz handelt ist die Stoffwechsellage der Patienten relativ stabil. Das bedeutet der Körper kann über einen längeren Zeitpunkt erhöhte Blutzuckerspiegel tolerieren, da er noch ein kleine Menge an Insulin produziert. Zudem kommt es zu einer langsamen und schleichenden Manifestation zum Teil über Jahre hinweg.
Andere Formen des Diabetes mellitus:
Es kann in seltenen Fällen zu einem genetischen Defekt der Zellen kommen, die das Insulin produzieren. Da es sich hierbei um eine autosomal-dominante Vererbung handelt, erkranken alle Nachfahren ebenfalls an dieser Art des Diabetes mellitus. Diese Art des Diabetes mellius nennt man „Maturity-onset-Diabetes of the Young“ kurz MODY. Er manifestiert sich vor dem 25. Lebensjahr. Hierbei lassen sich keine Antikörper gegen die insulinbildenden Zellen nachweisen und die Patienten leiden auch nicht an Adipositas. Etwa 1% aller Diabetes mellitus Patienten leidet unter dieser Form.
Desweiteren kann ein genetischer Defekt in der Wirkung das Insulin Ursache des Diabete mellitus sein.
Es gibt bestimmte genetische Syndrome von denen man weiß, dass sie mit einem Diabetes mellitus verbunden sind, z.B. das Down-, Klinefelter-, oder Turner-Syndrom.
Auch angeborene Stoffwechselerkrankungen wie die Akromegalie, die Hyperthyreose, das Cushing-Syndrom usw. können mit einem Diabetes mellitus einhergehen.
Auch Medikamente können einen Diabetes mellitus hervorrufen. z.B. Glukokortikoide (Cortisone), Schilddrüsenhormone und andere.
Kommt es zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) kann dies zu einer kurzfristigen oder bei einer dauerhaften Zerstörung der Zellen zu einer anhaltenden Manifestation des Diabetes mellitus führen.
In der Schwangerschaft kann es zu einer Sonderform des Diabetes mellitus kommen, der sich Gestationsdiabetes nennt und meist nach Beendigung der Schwangerschaft wieder verschwindet. Es besteht jedoch ein erhöhtes Risiko von 50 % für das erneute Auftreten bei einer weiteren Schwangerschaft. Zudem liegt das Risiko bei 45 % in den nächsten 10 Jahren an einem manifestierten Diabetes mellitus zu erkranken.
Vererbung:
Das es sich in beiden Fällen des Diabetes mellitus um genetische Dispositionen handelt, liegt die Frage nach der Vererbung nahe.
Beim Diabetes mellitus Typ I liegt das Erkrankungsrisiko bei 5 % wenn der Vater erkrankt ist und bei 2,5 % wenn die Mutter erkrankt ist. Sind beide Elternteile an einem Diabetes mellitus Typ I erkrankt, liegt das Risiko für die Kinder bei 20 %. Bei eineiigen Zwillingen liegt die Wahrscheinlichkeit dass auch der andere Zwilling erkrankt bei 35 %. Bei allen anderen Geschwistern hängt die Wahrscheinlichkeit von der Genähnlichkeit der Geschwister ab.
Anders sieht das Risiko einer Erkrankung beim Diabetes mellitus Typ II aus. Ist ein Elternteil betroffen, liegt die Wahrscheinlichkeit der Kinder ebenfalls zu erkranken bei 50 %. Ist ein Zwilling eines eineiigen Zwillingspaares erkrankt, erkrankt der zweite Zwilling zu 100 % ebenfalls.
Symptome:
Diabetes mellitus bedeutet im Griechischen „honigsüßer Durchfluß“. Der Name entstand dadurch, dass diese Art der Erkrankung früher durch eine Geschmacksprobe des Urins diagnostiziert wurde. Bei einem nicht behandeltem Diabetes mellitus wird der überschüssige Zucker im Blut über den Urin ausgeschieden, der in Folge dessen süß schmeckt.
Die meisten Symptome treten sowohl bei Typ I also auch bei Typ II Diabetikern auf. Aufgrund des raschen Auftretens eines Typ I Diabetikers sind die Symptome dort jedoch sehr viel schneller und oft auch ausgeprägter zu beobachten. Bei einem Typ II Diabetiker fallen die Symptome oft nicht sehr ins Gewicht und die Diagnose erfolgt meist bei einer zufälligen oder routinemäßigen Untersuchung der Blutzuckerwerte auf.
Zunächst kommt es zu unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Leistungsminderung, Lustlosigkeit. Auf diese folgt dann (beim Typ I Diabetiker rasch) häufig ein stark ausgeprägter Durst (die Patienten trinken 4-5 Liter am Tag), häufiges und viel Wasserlassen sowie ein Gewichtsverlust. Dies wird ausgelöst durch den stark erhöhten Blutzucker (Hyperglykämie) und die damit erhöhte Ausscheidung des Zuckers über den Urin (Glukosurie). In Folge der Größe der Zuckermoleküle wird viel Wasser mit ausgeschieden, was den Durst und die großen und häufigen Mengen an Urin erklärt. Aufgrund des großen Wasserverlustes kommt es auch zu einem vermehrten Verlust der Elektrolyte (Blutsalze) und somit zu Wadenkrämpfen und Sehstörungen.
Bei Kindern fällt den Eltern häufig auf, dass sie auf einmal abgeschlagen und müde sind und zu dem sehr, sehr viel trinken.
Zu Beginn des Typ II Diabetes mellitus zeigt sich häufig ein Heißhunger (durch den zu hohen Insulinspiegel), Schwitzen (aufgrund von kurzzeitigen Zuständen des Unterzuckers (Hypoglykämie)) und Kopfschmerzen.
Zudem kann es in beiden Fällen zu Potenzstörungen und einem Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe) kommen.
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