Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

Sabine Schindler
28.07.2011
Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

Unter einem Herzinfarkt (medizinisch Myokardinfarkt) versteht man eine Schädigung des Herzmuskels (Myokard) aufgrund einer Unterversorgung mit Sauerstoff.


Um richtig arbeiten zu können, brauchen die Herzmuskelzellen, wie alle anderen Zellen im Körper, Sauerstoff. Dieser wird mit dem Blut über die Herzkranzgefäße an die Herzmuskelzellen geliefert.


Ist eines dieser Gefäße „verstopft“, kann das Blut nicht mehr ungehindert fließen und somit kein Sauerstoff mehr an die Zellen liefern. Dies führt zu einer Schädigung der Herzmuskelzellen, die daraufhin nicht mehr richtig arbeiten können. Es kommt zu einem Herzinfarkt.

Man geht davon aus, dass in Deutschland pro Jahr pro 100.000 Einwohner 300 einen Herzinfarkt erleiden. Männer haben ein doppelt so hohes Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden als Frauen.

Als Hauptrisiko für einen Herzinfarkt gilt die Arteriosklerose. Darunter versteht man Ablagerungen an den Gefäßwänden, die sich im Laufe des Lebens bilden.


Kleine Ablagerungen und somit Verengungen der Gefäße machen sich meist nicht gleich bemerkbar. Beschwerden treten häufig erst bei einer (ungewohnten) körperlichen oder seelischen  Belastung auf. In diesen kurzen Momenten der gesteigerten Belastung, benötigt der Herzmuskel mehr Sauerstoff. Sind die Herzkranzgefäße verengt, kann nicht mehr genug Blut zu den entsprechenden Zellen fließen, womit es zu einer Unterversorgung der Muskelzellen mit Sauerstoff und damit Verbunden zu einem Stress der Muskelzellen kommt.


Dieser Stress ist für viele Patienten durch die typischen Angina pectoris Beschwerden wahrzunehmen.
Dabei handelt es sich um meistens hinter dem Brustbein befindliche Schmerzen, die nicht auf Druck von außen auslösbar sind. Durch Ruhe klingen diese in der Regel nach einigen Minuten wieder ab. Häufig strahlen diese Schmerzen in den Hals/Unterkiefer, den linken Arm/Schulter oder in den Oberbauch aus.


Diese Beschwerden können jedoch bei Patienten mit Diabetes mellitus, nach einer Herzoperation oder auch bei Frauen fehlen.
Diese Beschwerden sind ernstzunehmende Vorboten eines Herzinfarktes. Kommt es erstmalig zu oben beschriebenen Beschwerden, oder werden die bekannten Beschwerden schlimmer, dauern länger an, oder sind nicht durch die üblichen, vom Hausarzt verschriebenen Medikamente zu beseitigen, ist sofort ein Arzt aufzusuchen!

Schreitet die Arteriosklerose fort, oder lösen sich kleine Partikel der Ablagerungen und verschließen ein Gefäß damit komplett (medizinisch nennt man das Stenose), kommt es zu einer anhaltenden Schädigung der Herzmuskelzellen.
Diese Schädigung kann sich durch eine Veränderung des EKGs zeigen. Es gibt jedoch auch Fälle eines Herzinfarktes, die sich nicht im EKG nachweisen lassen.


Aus diesem Grund werden bei Verdacht auf einen Herzinfarkt immer bestimmte Blutwerte erfaßt, die Hinweis auf einer Schädigung von Herzmuskelzellen geben.

Troponin:

Dieser Biomarker ist spezifisch für den Herzmuskel. Sterben Herzmuskelzellen ab, schütten sie Troponin aus. Da es einige Zeit braucht, bis sich dieser Marker im Blut zeigt, kann es bei einem Verdacht sein, dass der Wert noch einmal 4 Stunden nach der ersten Abnahme kontrolliert wird, um zu sehen, ob er weiter ansteigt.

Creatininkinase (CK):

Dieses Enzym kommt in allen Muskelzellen des Körpers vor und wird bei Stress dieser Zellen an das Blut abgegeben. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt wird daher häufig die speziell für die Herzmuskeln typische CK-MB bestimmt.
Zudem gibt es noch einige weitere Enzyme die unspezifischer sind, im gesamten jedoch in die Diagnostik mit eingebunden werden und einen Hinweis auf eine Herzmuskelschädigung geben können.


Je nachdem welches Gefäß von der Verengung (Stenose) betroffen ist, zeigt sich die Schädigung des Herzmuskels an verschiedenen Stellen des Herzens.


Am Herzen gibt es die rechte Koronararterie (RCA) mit ihrer Abzweigung dem sogenannten Ramus posterolateralis dexter. Diese Gefäße versorgen weitestgehend das rechte Herz. Kommt es hier zu einem Verschluß bildet sich ein sogenannter unterer Hinterwandinfarkt oder ein Infarkt der rechten Herzkammer.


Weitaus häufiger betroffen sind die Herzkranzgefäße die das linke Herz versorgen.
Der Hauptstamm dort (LCA = linke Koronararterie) teilt sich in den sogenannten Ramus circumflexus (RCX) und den Ramus interventricularis anterior (RIVA oder auch LAD). Bei einem Verschluß dieser Gefäße kommt es einem Infarkt der Vorderwand (also der Brustbein zugewandten Seite) bzw. der Seitenwand.

Da es bei der Verteilung und Aufteilung der Gefäße am Herzen viele anatomische Varianten gibt, kann aufgrund des EKG Befundes häufig nur eine Vermutung über das verschlossene Gefäß gemacht werden.
Eine genaue Aussage und Therapie des Verschlusses kann erst in der Herzkatheteruntersuchung gemacht werden.

Die einzig wirksame Therapie bei Herzinfarkt ist die wieder Eröffnung der verschlossenen Gefäße. Dies sollte möglichst schnell nach Auftreten des Verschlusses erfolgen, um ein mögliches Absterben der Herzmuskelzellen zu verhindern oder reduzieren.
Mittels eines Herzkatheters wird über eine Arterie ein Draht in die Herzkranzgefäße eingeführt. Hierbei wird häufig die Arterie in der Leiste genommen, immer häufiger jedoch auch die Arterie am Handgelenk. Über den Draht wird nun Kontrastmittel in die Herzkranzgefäße gespritzt und so unter einer Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen die Verengung dargestellt. Diese wird daraufhin je nach Schwere mit einem Ballon geweitet, oder mit einem Stent (ein kleines Drahtgeflecht, dass in das Herzkranzgefäße eingelegt wird) dauerhaft geweitet.

Leider betreffen einige Verschlüsse der Herzkranzgefäße so große Bereiche des Herzmuskels, dass eine gute Arbeit des Herzens nicht mehr gewährleistet ist, das Blut nicht mehr durch den Körper gepumpt werden kann und der Patient noch vor einer Herzkatheter Untersuchung stirbt.


Aber auch nach einer erfolgreichen Wiedereröffnung der Gefäße sterben etwa 40 % der Patienten innerhalb der ersten 48 Stunden nach einem Herzinfarkt. Zudem kann es nach großen Infarkten zu weiteren Komplikationen wie schweren Herzrhythmusstörungen, einem Riss des Herzmuskels oder einem Abriss der Halterungen der Herzklappen kommen.
Bei leichteren Infarkten kann es zu einer Reduzierung der Herzmuskelleistung kommen, zu leichteren Herzrhythmusstörungen oder einer Entzündung des Herzbeutels.

In jedem Fall sind Beschwerden am Herzen ernst zu nehmen und sollten immer ärztlich abgeklärt werden!

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Sabine Schindler, Assistenzärztin Innere Medizin, München., Haftungsausschluß:, "Die hier zur Verfügung gestellten Informationen ersetzen zu keiner Zeit einen Besuch beim Arzt. Für die Richtigkeit der Informationen übernehmen wir keine Haftung!"

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