Kreditkarten in Österreich

Sabine Meier
09.11.2010

Die Verwendung von Kreditkarten hat in den letzten Jahren stark zugenommen, der bargeldlose Zahlungsverkehr bietet Annehmlichkeiten für den Käufer, Bargeld verliert immer mehr an Bedeutung. In den USA galt es vor Jahren schon als suspekt, wenn größere Beträge in bar bezahlt wurden, „Plastikgeld“ war seriös, viele Hotels bestanden und bestehen heute noch auf der Vorlage einer Kreditkarte bereits bei der Ankunft.

Auch bei Mietwagen ist oft eine Kreditkarte notwendig, anders ist eine Abgabe des Autos, indem man an bestimmten Parkdecks am Flughafen den Schlüssel nach Abschließen der Türen einfach in den Kofferraum legt und diesen schließt, überhaupt nicht möglich.



Bargeldeinsatz in Österreich

In Österreich hat sich seit Einführung des Euro der Bargeldbestand mehr als verdoppelt. 606,8 Milliarden Euro befanden sich Ende Juli im Umlauf. Private Haushalte bezahlen 86 Prozent aller Zahlungen in bar, in den letzten 10 Jahren hat sich der Anteil um 9 Prozent verringert.

Bargeld wird in der momentanen Entwicklung zum großen Teil zur Begleichung kleiner Beträge genutzt, so werden Beträge bis zu 10 Euro in 95 Prozent aller Fälle in bar bezahlt. Je höher der Betrag, in desto höherem Maße wird zur Karte gegriffen, ab 100 Euro werden nur noch 54 Prozent in bar bezahlt. Psychologische und kaufmännische Erwägungen spielen eine Rolle, welches Zahlungsmittel zu welchem Zweck wo und in welcher Höhe einsetzbar ist und auch eingesetzt wird. Insgesamt werden nur vier Prozent aller Zahlungen mit Kreditkarten getätigt, allerdings sind es bei Zahlungen über 500 Euro bereits zehn Prozent.



Händlerkosten beim Einsatz von Kreditkarten und möglicher Nutzen für den Kunden

Beim Einsatz von Kreditkarten in Österreich entstehen Kosten für den Händler. Üblich sind 3 – 5 Prozent des Umsatzes plus einer Festpauschale in Höhe von 0,10 bis 0,25 Euro. Weiterhin hat der Händler monatlich dafür zu bezahlen, dass ihm das Kreditkartensystem zur Verfügung gestellt wird. Andererseits haftet das Kreditkarteninstitut dem Verkäufer, er braucht sich keine Sorgen zu machen, sein Geld zu erhalten.

Hier findet nun eine Kosten- und Interessenabwägung statt. Von diesen Überlegungen kann der Kunde profitieren. Modehäuser akzeptieren allein aus Prestigegründen Kreditkarten. Kauft der Kunde in einem Modehaus für einen höheren Betrag ein, dann kann er dem Händler Barzahlung bei Gewährung eines gewissen Rabatts anbieten. Durch die Barzahlung spart der Händler die Kreditkartenkosten und ist oft mit einem Rabatt einverstanden.



Scheinbare Absurdität bei Kreditkarten

Ein Händler, der auf Grund der Qualität seiner Produkte und seiner Preisgestaltung einen großen Umsatz tätigt, wird aus Kostengründen eine Zahlung per Kreditkarte nicht ermöglichen, er hat es nicht nötig. Die gebotene Sicherheit benötigt er auch nicht, wenn per Bargeld bezahlt wird dann stellt sich die Frage einer Zahlungssicherung überhaupt nicht.



Anders sieht es bei Tankstellen aus, bei denen ein ständiger Preiskampf für ständig wechselnde Preise sorgt. Die Qualität der Produkte wird zwar beworben, der Kunde jedoch schaut vor allen Dingen auf die Preise und überlegt, wann er wo am günstigsten tanken kann, die Marke spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Der Händler muss um seinen Umsatz mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfen. Da die Zahlung per Kreditkarte gerade bei Tankstellen üblich geworden ist, wird dieses Zahlungsmittel zur Kostenreduzierung und aus Werbegründen eingesetzt. Große Mineralölkonzerne erhalten von Kreditkarteninstituten günstige Konditionen, außerdem ist der Konzern an höheren Umsätzen interessiert, so dass sogar Rabatte beim Kreditkarteneinsatz möglich sind.





Hofer akzeptiert in seinen etwa 425 Diskont-Filialen keine Kreditkarten. An den Hofer Diskont-Tankstellen, die besonders preisgünstiges Benzin und Diesel anbieten können, geschieht eine Zahlung allerdings nur per Bank- oder Kreditkarte. Was sind die Gründe einer derartigen Scheinabsurdität? Wenn eines Tages so wie heute schon vielerorts in den USA oder in Frankreich eine Abrechnung im Warenhaus ohne Kassiererin auch bei uns möglich sein wird, dann wird auch im Diskont-Geschäft eine Zahlung mit einer Kreditkarte üblich werden. Solange aber eine Kassiererin notwendig ist, kann diese auch Bargeld annehmen. Anders ausgedrückt bedeutet das, die Einsparung an menschlichen Arbeitskosten ermöglicht die Zahlung der Kosten für den Automaten. An den Hofer Tankstellen gibt es kein Personal und dennoch kommt es zu Verkehrsstaus, weil das Benzin so preiswert ist.



Was kosten Kreditkarten für den Kunden

Kreditkarten erweisen sich als angenehmes Zahlungsmittel. Die Abrechnung erfolgt im Allgemeinen monatlich, der Kunde hat also durch den Einsatz einer Kreditkarte einen Liquiditätsvorteil, er erhält automatisch im Rahmen der ihm zugestandenen Zahlungsgrenze einen Kredit. Ratenzahlung des monatlich fälligen Zahlungsausgleichs ist bei vielen Kreditkarten möglich. Dabei sind nur fünf bis zehn Prozent des Rechnungsbetrages direkt zu bezahlen, der Rest kann in Raten aufgeteilt werden. Allerdings ist diese Art der Kreditbeschaffung wegen der deutlich höheren Zinsen erheblich teurer als ein Dispo- oder Ratenkredit.



Da im Moment bei uns für nur etwa 4 Prozent aller Zahlungen Kreditkarten eingesetzt werden, gibt es hier noch ein großes Steigerungspotential. Banken und Kreditkartengesellschaften verdienen durch die Händlerkosten an den Kreditkarten, sind also daran interessiert, möglichst viele auf den Markt zu bringen. Das führt dazu, dass einige Institute Kreditkarten ganz kostenlos abgeben, andere für die kostenlose Abgabe einen bestimmten Mindestumsatz erwarten. Ein genauer Preisvergleich kann helfen, die preisgünstigste Kreditkarte in Österreich zu finden.



Besonders anspruchsvolle Kunden werden mit Gold- oder Platinkarten beworben, die allerdings nicht kostenlos abgegeben werden. Mit diesen Karten erwirbt der Kunde besondere Leistungen wie Versicherungen für Krankheitsfälle im Ausland, Reiserücktrittsversicherungen, Benutzung von VIP-Lounges auf Flughäfen und vieles mehr.



Kreditkarte im Internet

Ein neuer und wichtiger Bereich für den Einsatz einer Kreditkarte ist das Internet. Obwohl die Kreditkarte nach Zahlung auf Rechnung und Lastschriftverfahren erst an dritter Stelle rangiert, wird dennoch bei keiner anderen Zahlungsart auf beiden Seiten, bei Käufern und Verkäufern, eine höhere Zufriedenheit erreicht.



Kreditkarte zur Bargeldbeschaffung

Wird kurzfristig Bargeld benötigt, ist auch eine Beschaffung mittels einer Kreditkarte an Geldautomaten möglich. Die Kosten liegen allerdings höher, als wenn man Bargeld mit einer EC-Karte abhebt. Es ist mit zwei bis vier Prozent der Abhebungssumme zu rechnen, mindestens mit fünf Euro. Für den Fall einer Bargeldabhebung ist eine PIN notwendig, die ansonsten nicht benötigt wird. Es gibt Ausnahmen, so wird neuerdings in der Schweiz bei ausländischen Kreditkarten an Tankstellen häufig um die Eingabe einer PIN gebeten und auch bei Tankautomaten ist eine solche Eingabe notwendig.



Prepaid Karte

Auch junge Menschen oder solche mit geringem Einkommen können Besitzer einer Kreditkarte werden. In diesem Fall ist die Bezeichnung Kreditkarte allerdings irreführend, es handelt sich hier um keinen Kredit, denn nur der Betrag, der vorher eingezahlt wurde, ist auch verfügbar. Derartige Karten werden auch sehr gerne als Geschenk benutzt, der Beschenkte kann beliebig im Rahmen des vorher eingezahlten Betrages einkaufen. Auch für Käufe im Internet kann diese Karte benutzt werden.

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