Das Sternberg-Paradigma, Seite 13

Redaktion
25.02.2011
Das Sternberg-Paradigma

Versuch 6: context recall

Wie schon oben erklärt, gibt die „exhaustive search“ keine Auskunft darüber, wo in einer Liste sich das gezeigte Testitem befindet. Sternberg führte das 6. Experiment durch, um zu erfahren, was sich veränderte, wenn genau das von den Probanden gefordert würde.

Eine Liste von drei bis sieben Ziffern, deren Länge von Durchgang zu Durchgang variierte, wurde den Probanden gezeigt. Nach einer kurzen Pause ertönte ein Warnsignal und ein Testitem erschien. Die erforderte korrekte Antwort sollte der ausgesprochene Name des unmittelbar auf das Testitem folgende Item in der Liste sein.

Man untersuchte hierbei einerseits die Beziehung zwischen RT und der Listenlänge und andererseits zwischen RT und der Position des Testitems in der Liste.

Die Funktion aus RT und Listenlänge ist linear, was auf einen sequentiellen „scanning“ Prozess hinweist. Die Steigung beträgt 124ms pro Item und ist somit deutlich steiler als bei den „item-recognition“ Tests (vgl. Versuche 1-5). Jedoch ergab sich eine Fehlerrate von bis zu 25% bei einer Listenlänge von sieben Items. Das ist zu hoch, wenn man mit dem Anspruch der Fehlerfreiheit arbeiten will.

Bei der Untersuchung der Funktion aus RT und der Position des Testitems in der Liste, fand man heraus, dass diese für jede beliebige Listenlänge ansteigt. Man schließt auf eine „self-terminating search“, da bei einer „exhaustive search“ die Kurve aus RT und Position des Items in der Liste für jegliche Position gleich bleiben würde.

Sternberg fand heraus, dass zwei Möglichkeiten des „scanning to locate“ angewandt wurden. Einmal begann der Proband die sequentielle Suche an einer beliebigen Postition der Liste, z. B. wenn der Einprägeprozess („rehearsal“) durch das plötzliche Zeigen des Testreizes in der Mitte unterbrochen wurde. Die resultierenden Funktionen aus RT und Testitemposition für die jeweilige Listenlänge sind flach und überlagern sich nicht, da der Treffer im Mittel immer in der Mitte der Liste liegt. Bei bereits abgeschlossenem Einprägeprozess beginnt der Proband mit der Suche am Anfang der Liste. Mit steigender Position des Testitems in der Liste steigt auch die RT.

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