Das Sternberg-Paradigma, Seite 15
Versuch 8: context recognition
Zusätzlich zu den Unterschieden in der Aufgabenstellung (Vorhandensein des Testitems vgl. Versuch 1-5 bzw. Position des Testitems vgl. Versuch 6-7 im „positive set“) gibt es noch weitere Unterschiede. In Versuch 1-5 ist keine verbale Wiedergabe, d. h. der Name des Testitems, als Antwort verlangt (sondern Hebelbetätigung), in Versuch 6-7 hingegen muss die im Gedächtnis gespeicherte Information erst verbalisiert werden. Weiterhin stützt sich der „item-recogniton“ (Experiment 1-5)Test auf eine binäre Antwort, wobei beim „item-recall“ (Experiment 6-7) Test die Antwortalternativen mit steigender Listenlänge zunehmen.
In Versuch 8 muss der Proband die Position eines Items in der Liste angeben (wie in Versuch 6 und 7), dazu wurde aber dennoch die Art der Antwort wie in den Versuchen 1-5 verwendet (binär).
Das „positive set“, drei bis sechs Ziffern, wird dem Probanden sequentiell zwei Mal gezeigt, mit einer verbalen Wiedergabe zwischen den zwei Präsentationen, was die Fehlerrate senken soll. Als Testreiz erscheint ein Paar aus zwei aufeinanderfolgenden Ziffern aus dem „positive set“. Die Versuchsperson muss nun beurteilen, ob die Reihenfolge der Ziffern der in der Liste entspricht oder umgekehrt ist. Die Antwort erfolgt durch Betätigung des entsprechenden Hebels.
Es ergab sich ein weiterer Beweis dafür, dass ein sequentieller „scanning“ Prozess vorliegt, dadurch dass die Funktion aus RT und Listenlänge für positive und negative Antworten linear ist. Die Steigung beträgt für beide Antworten 114ms pro Item. Diese Übereinstimmungen der Steigungen zeigen, dass immer zuerst ein Teil des Testitem-Paares in der Liste lokalisiert werden muss, um beurteilen zu können, ob der andere Teil davor oder dahinter liegt. Dies geschieht „self-terminating“, weil bei allen Versuchspersonen und bei beiden Antworten die RT hinsichtlich steigender Position des Item-Paares in der Liste zunimmt.
Vergleicht man nun die Experimente 7 (als verbesserte Variante von Experiment 6) und 8 und deren Funktionen aus RT und Listenlänge ergibt sich für diese eine Parallelität und es zeigt sich somit, dass die gleiche Art des Suchens („scanning to locate“) vorliegt. Eine Änderung von einem „recall“ (Versuch 7) zu einem „recognition“ (Versuch 8 ) Test beeinflusst den „scanning stage“ nicht. Eine Änderung der Listenlänge beeinflusst den „response stage“ nicht.
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