Technik & Wissenschaft

Das Sternberg-Paradigma, Seite 3

Die Subtraktionsmethode

Doch schon viel früher von 1868 bis 1869 versuchte F. G. Donders Erkenntnisse über die mentalen Vorgänge zwischen Reizwahrnehmung und -reaktion zu gewinnen, die nach Ansicht der Behavioristen in der „Black Box“ unerkannt vonstatten gingen.
Donders ließ seine Versuchspersonen zwei verschiedene Reaktionszeitaufgaben bearbeiten, die in jeder Hinsicht einander glichen, außer dass die eine noch einen zusätzlichen Teilprozess implizierte. Den Unterschied der Reaktionszeit (RT) der beiden Aufgaben interpretierte Donders als die Dauer dieses zusätzlichen Teilprozesses.

Er ging davon aus, dass durch die Bestimmung der jeweiligen Zeitdauern der einzelnen Verarbeitungsschritte, welche als Summe die RT bilden, bedeutsame Rückschlüsse auf die dazugehörigen geistigen Vorgänge ziehen könne; dies wiederum würde dann zum Verständnis des gesamten Aufbaus der geistigen Abläufe beitragen.

Damit stellte er zwei Theorien auf, die sogenannte „stage theory“ (alle englischen Begriffe werden im Anhang übersetzt bzw. erklärt), die besagt, dass sich mentale Verarbeitungsprozesse in Einzelschritte, die streng seriell ablaufen, zerlegen lassen, und die sog. „assumption of pure insertion“. Dabei ging er davon aus, dass das Hinzufügen bzw. Eliminieren eines Verarbeitungsschrittes keinerlei Einfluss auf die anderen hat. Um die Jahrhundertwende geriet seine Subtraktionsmethode aus hauptsächlich zwei Gründen in Kritik.

Erstens: Die RT-Unterschiede schwankten von Versuchsperson zu Versuchsperson, bzw. Labor zu Labor, was wohl daran lag, dass man keine Kontrolle darüber hatte, welche Verarbeitungsstrategie die Versuchspersonen wählten.

Zweitens: Man bezweifelte die sogenannte „assumption of pure insertion“, die nur dann gilt, wenn der Unterschied der beiden Aufgaben auch tatsächlich den zu untersuchenden Teilprozess in den inneren Ablauf einfügt bzw. eliminiert ohne die anderen Teilprozesse oder die Struktur ihres Zusammenwirkens zu verändern. Jedoch stützen sich jegliche Erkenntnisse über die „assumption of pure insertion“ ausschließlich auf Introspektion. Sternberg entwickelte deswegen eine abgeschwächte Form, nämlich die sogenannte „assumption of selective influence“.

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