Das Sternberg-Paradigma, Seite 5

Redaktion
25.02.2011
Das Sternberg-Paradigma

Zwei verschiedene Arten der seriellen Suche Anhand der Experimente kam Sternberg zu dem Ergebnis, dass je nach Aufgabe eine von zwei möglichen Sucharten angewendet wird. Die sehr schnelle "exhaustive search" geht so vor, dass der Testreiz mit allen Items der eingeprägten Liste verglichen wird, egal ob eine Übereinstimmung auftritt oder nicht. Erst dann wird die entsprechende Antwort gegeben. Deshalb ist der Prozess des Vergleichens für positive und negative Antworten immer gleich lang.

Die zweite Möglichkeit ist die langsamere "self-terminating search", die den Suchvorgang abbricht, sobald eine Übereinstimmung des Testitems mit einem Item in der eingeprägten Liste auftritt. Aus diesem Grund dauert der Suchprozess für negative Antworten doppelt so lang wie für positive, wenn man davon ausgeht, dass eine Übereinstimmung durchschnittlich gesehen in der Mitte der Liste auftritt.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum der Suchprozess bei der "exhaustive search" fortgesetzt wird, auch wenn schon eine Übereinstimmung gefunden wurde.

Sternberg liefert ein Erklärungsmodell, nach dem die "exhaustive search" effizienter als die "self-terminating search" ist – dieses Modell ist im Endeffekt wie ein Apparat aufgebaut: Die Darstellung eines Testreizes kommt in den Vergleicher, in den ein vom Zentralprozessor betriebener Scanner ein Item nach dem anderen aus der eingeprägten Liste schickt. Tritt eine Übereinstimmung auf, schickt der Vergleicher ein Signal an das Treffer-Register. Der Zentralprozessor kann entweder den Scanner betreiben oder das Treffer-Register auf Treffer untersuchen. Das Umschalten zwischen beiden Systemen dauert relativ lang. Bei einer "exhaustive search" genügt es, wenn der Zentralprozessor am Ende des Vergleichs einmal zum Treffer-Register umschaltet, bei einer "self-terminating search" muss er nach jedem Vergleich zwischen dem Vergleicher und dem Treffer-Register hin und her schalten. Die extrem hohe Geschwindigkeit des Vergleichens, die Sternberg in seinen Experimenten bemerkt, erklärt sich also durch die "exhaustiveness" der Suche.

Allerdings gibt diese Art der Suche keine Auskunft über die Position des Testitems in der Liste. Dazu müsste der Zentralprozessor tatsächlich jedesmal umschalten, solange die Position des gerade verglichenen Items noch bekannt und abrufbar ist.

Im folgenden sollen nun die einzelnen Experimente dargestellt werden, welche Grundlage und Ausgangspunkt für die oben erwähnten Ergebnisse und Schlussfolgerungen Sternbergs waren.

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