Das Sternberg-Paradigma, Seite 9

Redaktion
25.02.2011
Das Sternberg - Paradigma

Versuch 3: intact vs. degraded teststimulus Die Frage ist nun, inwieweit der Testreiz verarbeitet wird, bis er mit den bereits eingeprägten Items verglichen werden kann, bzw. welcher Art die inneren Darstellungen des Testitems und der Liste sind, dass sie so schnell verglichen werden können. Das heißt, inwiefern wirkt sich die Qualität des Testitems auf die Reaktionszeit aus.

Sternberg stellte eine Annahme auf, die er aber für eher unwahrscheinlich hielt und letztendlich mit dem 3. Versuch widerlegte: Die Items könnten im Kurzzeitgedächtnis akustisch, also als gesprochene Namen gespeichert werden. Das visuelle Testitem müsste bis zum akustischen Namen kodiert werden, um dann als Name auch verglichen werden zu können. Jedoch müssten dann die innerlich verbalisierten Namen vier Mal schneller verglichen werden können, als man sie tatsächlich aussprechen kann. Außerdem würde die Kodierung bis hin zum Namen weitere Informationen aus dem Gehirn benötigen, nämlich die Beziehung zwischen dem reinen Ziffernsymbol und dem dazugehörigen Namen.

Um dieser Frage nachzugehen, manipulierte Sternberg den Testreiz so, dass er schlechter wahrgenommen werden konnte. Sternberg stellte folgende Vorüberlegungen an. Eine Manipulation des Testreizes könnte sich entweder auf den „encoding stage“ oder auf den „serial comparison stage“ auswirken. Die Auswirkung auf den „encoding stage“ hätte einen Anstieg des „zero-intercept“ zur Folge, da nur einmalig mehr Zeit benötigt wird. Der Effekt auf den „serial comparison stage“ würde zu einer Zunahme der Steigung der Funktion aus RT und Listenlänge führen, weil jedes zu vergleichende Item mehr Zeit benötigt.

Das „positive set“ besteht aus einer oder zwei oder vier Ziffer(n), die entweder unverändert oder manipuliert gezeigt werden. Sternberg führte zwei Durchgänge durch, die unterschiedliche Ergebnisse lieferten.

Die des ersten Durchgangs erklären sich aus denen des zweiten. Der zweite Durchgang ergab eine Parallelität der Funktionen aus RT und Listenlänge für manipulierte und unveränderte Testreize. Der große Unterschied des „zero-intercepts“ lässt auf eine Beeinflussung des „encoding stage“ durch Testreizmanipulation schließen (Übereinstimmung mit Vorüberlegung, da nur der „encoding stage“ beeinflusst wurde). Der „comparison stage“ kann also mit manipulierten Testreizen genauso schnell arbeiten, sobald diese ausreichend kodiert wurden.

Der erste Durchgang hingegen ergab für manipulierte Testreize sowohl eine höhere Steigung der Funktion aus RT und Listenlänge als auch eine Zunahme des „zero-intercepts“ (keine Übereinstimmung mit Vorüberlegung, da sowohl „encoding stage“ als auch „comparison stage“ beeinflusst wurden). Offensichtlich beeinflusst die Item-Qualität den „comparison stage“ doch. Sternberg interpretierte die Diskrepanz der Ergebnisse so: Die Probanden hätten vermutlich beim ersten Durchgang noch nicht so viel Erfahrung mit dem manipulierten Testreiz gehabt. Der „encoding stage“ könne mit dazugewonnener Erfahrung besser mit der Manipulation umgehen. Die Einwirkungen der Manipulation seien folglich nicht mehr so ausschlaggebend, dass sie den Ablauf des „serial comparison stages“ beeinflussen.

Die Darstellung des Testitems wird also visuell wahrgenommen und im „encoding stage“ verarbeitet und auch so an den „comparison stage“ weitergegeben. Wäre sie akustisch, würde eine visuelle Manipulation keine Auswirkungen auf den „comparison stage“ haben. Obwohl die Einprägung vermutlich zyklisch und akustisch verläuft, gibt es anscheinend noch eine andere Form, in der das „positive set“ abrufbar ist.

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