Depression und Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen, Seite 3

Redaktion
28.02.2011
Depression und Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen

In dem Artikel wird nicht gezielt auf die Art der Intervention eingegangen. Es wird lediglich erwähnt, dass die Berater ein einwöchiges Intensivtraining zur Beratung und 250 Stunden absolviert hatten. Allgemein im Sinne der KHL-Berufsphilosophie wurde versucht, die Kinder in die Lage zu versetzen und zu ermutigen, die Hilfe Erwachsener zu suchen, als es ihnen zu verordnen und vorzuschreiben. Deshalb wird leider auch nicht klar, auf welche Ergebnisse der Grundlagenforschung sich die Beratung bezieht.

Da es zum Zeitpunkt der Erhebung der Daten kein passendes Auswertungsverfahren gab, wurde ein maßgeschneidertes Verfahren entworfen. Dazu wurden aus schon existierenden Erhebungsverfahren zur Messung von Depression und Suizidrisiko Items entnommen, deren Validität und Reliabilität in eigenen Studien bestätigt worden war. Die Ausgewählten Items wurden in einer Pilotstudie von zwei unabhängigen Personen an 25 Beratungsgesprächen auf ihre Inter-Rater-Reliabilität getestet. Items mit einer Übereinstimmung von mehr als 80% wurden in die eigentliche Studie übernommen. Letztendlich ergaben sich drei Dimensionen: Psychische Verfassung mit besonderer Berücksichtigung depressiver Merkmale mit sechs Items, die dreistufig skaliert waren, fünf dichotome Items für Suizidgedanken und vier dichotome Items für das Ausmaß der Suizidabsicht/-dringlichkeit („suicide urgency“).

Für die Überprüfung der Inter-Rater-Reliabilität wurden die drei Dimensionen in acht Skalen unterteilt, „psychische Verfassung“ und „Suizidgedanken“ jeweils in Skalen für Anfang und Ende der Beratung, die Dimension „Suizidabsicht“ wurde noch einmal unterteilt in je zwei Skalen (Anfang und Ende der Beratung), von denen eine jeweils nur die Items zu unmittelbar bevorstehenden Tötungsabsichten („früher als morgen“) beinhaltet, die andere keine Unterscheidung traf, also Items zu direkt und auf später bezogene Tötungsabsichten beinhaltete. Es ergaben sich mittlere bis hohe Korrelationen innerhalb der Skalen, so dass insgesamt eine angemessene Reliabilität des neu entworfenen Verfahrens bestätigt wurde. Im Rahmen der Beratungsgespräche wurden die Anrufe ohnehin zu Supervisionszwecken aufgezeichnet.

Für die Studie war eine Stichprobengröße von 100 Aufzeichnungen veranschlagt, 101 Gespräche gingen letztlich in den Datenpool mit ein. Es dauerte ein Jahr, bis diese Anzahl erreicht war. Prinzipiell wurden in die Untersuchung nur Beratungen eingeschlossen, in denen das Thema Suizidalität sehr früh erkennbar war. Von zwei unabhängigen, extra geschulten Personen wurden nur die ersten und letzten fünf Minuten eines jeden Gesprächs ausgewertet. Die Auswerter waren nicht an dem Beratungsgespräch selbst beteiligt. Auch wenn sie nicht explizit darauf hingewiesen wurden, ob sie eine Anfangs- oder Endsequenz beurteilten, kann man wohl kaum von einem Blindversuch reden, da aus dem Gesprächszusammenhang deutlich zu erkennen war, um was für einen Ausschnitt es sich handelte.

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