Kinder als Zeugen vor Gericht, Seite 18
|
|
Redaktion 28.02.2011 |
4.4 Weitere Methoden der Datenerhebung
Neben der Exploration sei an dieser Stelle das kognitive Interview erwähnt (Forschergruppe um Günter Köhnken). Es handelt sich um eine Interviewtechnik, die systematische Abrufhilfen bereitstellt, um eine möglichst hohe Annäherung zwischen Erinnerungs- und Wahrnehmungskontext herzustellen. Das soll über die Aufforderung alles zu berichten, Reihenfolge- und Perspektivenwechsel vorzunehmen und sich gedanklich in die Wahrnehmungssituation zurückzuversetzen erreicht werden. Kinder können im allgemeinen von dieser Technik profitieren, sie laufen allerdings auch Gefahr durch den Perspektivenwechsel überfordert zu sein und deshalb zu phantasieren. Ein weiteres nicht zu vernachlässigendes Problem des kognitiven Interviews besteht in der gezielten Missachtung von Qualitätsmerkmalen erlebnisgestützer Aussagen, weil hier instruktional Besonderheiten abgefragt werden, die als Indikatoren für einen Erlebnisbezug gelten, wenn sie spontan vorgebracht werden (z.B. Details, Unstrukturiertheit). Insofern besitzt das kognitive Interview keine Vorteile gegenüber der Explorationsmethode. Eine weitere Methode der Generierung und Beurteilung von Aussagen ist die Verhaltensbeobachtung.
Bei der eigenständigen Verhaltensbeobachtung werden gezielte Verhaltensstichproben durchgeführt, um spezielle Aspekte des Ausdrucks- und Aussagestils festzustellen. Die begleitende Verhaltensbeobachtung berücksichtigt beispielsweise das psychomotorische Tempo, Ausdrucksbewegungen und Gestik als indirekte Hinweise auf eine erlebnisbasierte Schilderung und affektive Ausdrucksverhalten als unmittelbaren Indikator dafür. Insbesondere im Hinblick auf die Untersuchung von sexuell missbrauchten Kindern wird oft stimulusbezogenes Ausdrucksverhalten beobachtet und erfasst. So werden anatomisch korrekte Puppen als Demonstrationshilfen eingesetzt.
Es sei an dieser Stelle jedoch darauf hingewiesen, dass in mehreren Studien festgestellt wurde, dass die Beobachtung von Kindern im freien Spiel mit anatomisch korrekten Puppen zu vermehrten falsch-positiven Urteilen führte (z. B. Greuel et al. 1998). Zeichnungen von Kinder, die während der Befragung entstehen, können als Explorationshilfe dienen, da sie bei den Kindern Assoziationsketten aktivieren und gerade bei sehr jungen, entwicklungsverzögerten oder behinderten Kindern einen Teil der Sprachschwierigkeiten kompensieren können. Nur der Vollständigkeit halber seien hier standardisierte Verfahren erwähnt. Sie spielen in der Glaubhaftigkeitsdiagnostik nur eine untergeordnete Rolle, da sie der Individualiät der Phänomene und der Subjektivität der Bedeutungen nicht gerecht werden können. Auch wenn Intelligenztests wie HAWIK oder HAWIVA bei Kinder oft aufschlussreiche Informationen über den kognitiven Entwicklungsstand geben können, muss doch beachtet werden, dass solche Tests in der Regel die Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses erfassen und somit für die Aussagepsychologie nur von untergeordnetem Wert sind.
mehr vom Autor
Bild, Autorenname und Anmeldedatum
lesen Sie weiter
-
Redaktion10.02.2011
-
Redaktion22.03.2011
-
Redaktion02.03.2011
-
Claudia Haut16.02.2011
-
Christian Morgner18.03.2011
neue Beiträge
-
Tobias06.02.2012
-
Tobias18.01.2012
-
admin22.12.2011
-
admin20.12.2011
-
Sabine Meier08.11.2011
lesen Sie weiter
-
Redaktion25.11.2010
-
Cornelia Gschiel29.12.2010
-
Cornelia Gschiel02.01.2011
-
Redaktion26.11.2010
-
Redaktion06.11.2007











