Kinder als Zeugen vor Gericht, Seite11
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Redaktion 28.02.2011 |
3.1. Egozentrismus / Eindimensionalität
Schon Piaget stellte bei Kindern die Unfähigkeit zur Perspektivenübernahme fest, was sich im sog. Egozentrismus des Sprachgebrauchs zeigt. Kinder bedenken beim Sprechen nicht, dass andere abweichende Meinungen und Vorinformationen haben, auf die sie sich beim Sprechen beziehen. Das „egozentrische Sprechen“ wirkt sich durch die Zentrierung auf eine Dimension auch auf die Aussage des Kindes aus. Mehrdimensional angelegte Erlebnisberichte sind daher nicht zu erwarten, so dass bei einer kindgerechten Befragung der Grundsatz der„single idea“ (s. 4.3. Exploration) zu berücksichtigen ist. Durch suggestive Techniken kann dieser Mechanismus der Zentrierung gezielt unterlaufen werden, indem die Berücksichtigung und Integration mehrerer Dimensionen verlangt wird.
Hier wird also deutlich, dass Suggestion nicht das Gedächtnis beeinflusst, sondern auf entwicklungspsychologischen Schwierigkeiten beruht. Erst mit dem Einsetzen einer intuitiven „theory of mind“ um das vierte Lebensjahr, können solche Probleme überwunden werden. Die „theory of mind“ beinhaltet die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme und Differenzierung unterschiedlicher Wirklichkeitsebenen, Wissen um Bewusstseinsphänomene (schon ab drei Jahren rudimentär vorhanden), Unterscheidung zwischen Schein und Sein, Einsicht in false beliefs und psychologisches Kausalitätsverständnis. Auf einige dieser Phänomene wird weiter unten noch eingegangen.
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