Wie schreibe ich ein Gedicht?

Eva Klassen
30.12.2010
Wie schreibe ich ein Gedicht?

Es gibt kaum ein Geschenk, das persönlicher ist, als ein selbst verfasstes Gedicht. Niemand beeindruckt mehr, als ein kreativer Schreiberling, der seine Gedanken sogar in Reimen vortragen kann. Das Schreiben von Gedichten ist zum Glück nicht nur literarischen Legenden wie Goethe und Schiller vorbehalten. In jedem steckt ein kleiner Poet, er muss nur mit den richtigen Tipps herausgekitzelt werden. Wie schreibe ich ein Gedicht? Diese Frage lässt sich leichter als gedacht beantworten.

 

  • Für wen soll das Gedicht sein und was ist der Anlass? Um das passende Versmaß und die richtige Strophenform auszuwählen, müssen diese Fragen zunächst beantwortet werden. Geburtstagsgedichte sind eher fröhlich, Liebesgedichte können besinnlich sein, Trauergedichte sind meist ruhig.

 

  • Der Reim ist nicht das wichtigste Merkmal eines Gedichts. Es gibt auch reimlose Verse. Weiterhin gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Reime zu platzieren: Kreuzreime nach dem Reimschema abab und umarmende Reime abba gehören zu den wichtigsten.

 

  • "Liebe Oma, du hast heute Geburtstag / mit dir freuen sich und es gratulieren dir Tanja, Jochen und Mark". Dieser Geburtstagsvers reimt sich zwar, aber ein gelungenes Gedicht scheint er nicht zu sein. Das Versmaß ist das wichtigste Merkmal eines Gedichts. Es bestimmt den Rhythmus eines Gedichts, denn so wie ein Lied benötigt auch ein gutes Gedicht einen Rhythmus. Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst sind wichtige Versmaße, nach denen sich Gedichte gestalten lassen. Beim Jambus folgt auf eine unbetonte Silbe eine betonte, zum Beispiel wie beim Wort be-liebt.
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  • Der Jambus eignet sich gut für fröhliche Gedichte. Beim Trochäus folgt auf eine betonte Silbe eine unbetonte, wie etwa Hoch-zeit. Die Betonung fällt ab, der Trochäus wirkt schwermütiger und eignet sich mehr für bedächtige Gedichte. Beim Daktylus folgen auf eine betonte Silbe zwei unbetonte, zum Beispiel: un-ver-schämt. Spricht man viele Daktylen hintereinander, klingt es fast wie ein galoppierendes Pferd, dieses Versmaß eignet sich für bewegte Gedichte. Beim Anapäst folgt auf zwei unbetonte Silben eine betonte, wie e-le-gant. Anapäst eignet sich wieder mehr für besinnliche Inhalte.

Diese wichtigen Anregungen helfen, mit ein bißchen Übung traurige, lebhafte oder romantische Gedichte selbst zu schreiben.

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